Was Unternehmen von YouTuber Logan Paul lernen können

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Auch wenn YouTuber Logan Paul nicht unumstritten ist, so ist es schwer, sein Händchen für Online Marketing zu übersehen. Ausverkaufte Arenen für seine Amateur-Boxkämpfe. Videos, die von Millionen von Menschen gesehen werden und Podcast-Folgen, die Monat für Monat millionenfach heruntergeladen werden. 

Grund genug, einen Blick auf seine Marketing Kampagne zum Relaunch seiner Modemarke Maverick zu werfen. Ein Video fiel uns dabei besonders auf. Denn auch wenn es darin um T-Shirts, Hoodies und Jogginghosen geht — die Prinzipien und Ideen daraus sind universell anwendbar. 

  • Du spielst derzeit mit dem Gedanken, Deinen Imagefilm aufzupolieren? 
  • Du planst Produktvideos für Deinen Online Shop? 
  • Du möchtest Deine Social Media Werbung durch Videoanzeigen zum Leben erwecken? 
  • Oder Du suchst einfach nur nach einem effektiveren Weg, Deine Interessenten gezielt anzusprechen? Ein Weg, der dazu führt, dass Interessenten von sich aus auf Dich zukommen? 

Dann ist diese Fallstudie für Dich. 

Denn die Trennlinien zwischen erfolgreichen Marketingstrategien sind durchaus verschwommen. Was in Form eines Web- oder Verkaufstextes funktioniert, funktioniert auch innerhalb eines Videos. Die Prinzipien hinter einer verkaufsstarken E-Mail unterscheiden sich nicht allzu stark von den Prinzipien hinter einem oft gelesenen Blogartikel. Und was dazu führt, dass ein Blogartikel geklickt und gelesen wird, ist oft auch das, was einen Social Media Post erfolgreich macht.

Ein kurzer Hintergrund, solltest Du Logan Paul nicht kennen:

Logan Paul ist ein amerikanischer YouTuber, Podcaster und (seit neuestem) Boxer. Wie so viele andere YouTuber, monetarisiert auch Logan seine Reichweite unter anderem durch Merchandise — Klamotten, die weniger in der Kategorie Mode und mehr in der Kategorie Fanartikel einzuordnen sind. 

Seit 2020 will Logan damit jedoch einen anderen Weg einschlagen. Maverick soll eine eigenständige, seriöse Modemarke — keine Ansammlung von Fanartikeln — werden. Der Plan scheint aufzugehen: 

3 Millionen US Dollar soll der Relaunch der Marke nur über das Black Friday Wochenende 2020 eingebracht haben. Nicht ganz unschuldig daran ist das Marketing hinter Maverick Clothing — angefangen mit dessen Imagefilm.

Logan Paul und Maverick Clothing — das macht den Imagefilm so effektiv 

Wirf zunächst einen Blick auf das Video selbst. Der Text darin ist aus offensichtlichen Gründen auf Englisch. Unsere Übersetzung findest Du deshalb direkt darunter.

Erinnerst Du Dich daran, wer Du sein wolltest, bevor Dir die Welt sagte, wer Du sein solltest?

Als Kind fühlte ich mich nie zugehörig. Ich wusste, dass ich nicht dazu bestimmt war, der Menge zu folgen. Ich sehnte mich nach Abenteuer, Erfolg und Glück.

Meine Ideen waren groß, doch meine Realität war klein. Ja, andere Leute haben mich für verrückt erklärt. Doch wer ist wirklich verrückt? Der, der glaubt, er kann — oder der, der es nie versucht hat?

Also habe ich es versucht…immer und immer wieder. Und das wurde meine Wahrheit.

Meine Misserfolge machten mich cleverer. Meine Defizite machten mich stärker. Und wenn ich der Prototyp bin, bist Du das Produkt.

Denn wir sind der lebende Beweis, dass das Einzige, das Dich aufhalten kann, Du selbst bist. 

Gutes Storytelling macht Imagefilme effektiv

In der englischen Originalversion klingt der Text natürlich besser, als auf Deutsch. Doch fällt Dir auf, dass es darin nicht ein einziges Mal um die Klamotten ging?

Die Klamotten werden im Video gezeigt, klar. Auch am Ende erscheint das Logo der Marke. Doch nirgendwo ist die Rede von den Klamotten selbst. Nirgendwo spricht Logan von der Qualität der Klamotten, deren Preisen oder deren Verfügbarkeit.

Logan spricht von seinem Lebensmotto, seinen Werten und Zielen. Er beschreibt sich selbst als jemanden, der sich gegen den Weg der meisten anderen entschieden und seinen eigenen Plan verfolgt hat. Und er bringt seine Klamotten damit indirekt in Verbindung. Zwischen den Zeilen steht:

„Ich bin meinen eigenen Weg gegangen und war damit erfolgreich — auch wenn es nicht immer leicht war. Wenn Du ähnlich denkst, dann sind das die Klamotten, mit denen Du das ausdrücken kannst.“

Klamotten sind Gebrauchs- und Zweckgegenstände. Nackig herumlaufen ist gesellschaftlich nicht wirklich anerkannt und sorgt für unnötige Aufmerksamkeit. Doch neben den funktionalen Eigenschaften, bietet Kleidung die Möglichkeit, sich selbst auszudrücken. 

  • Wer Vans und Volcom trägt, fühlt sich der Skate- und Snowboard Community angehörig. 
  • Wer eine Louis Vuitton Tasche und den Gucci Gürtel spazieren trägt, will einen hohen Status kommunizieren: „Schau’ her, ich habe das Geld, um einen immensen Aufpreis für Handtaschen und Gürtel zu bezahlen“. 
  • Und wer Maverick trägt, zeigt anderen, dass er seinen eigenen Weg geht, Neues ausprobiert und nicht am Status Quo interessiert ist. Zumindest ist das die Intention des Imagefilms.

Maverick Clothing wird mit bestimmten Werten in Verbindung gebracht

Pauls Ansatz ist sehr clever. Denn wenn die Welt eines nicht braucht, dann ist es eine weitere Modemarke. Konsumenten haben mehr Auswahl, denn je. Alle Marken erfüllen mehr oder weniger den gleichen Zweck. Eben deshalb sind Marken — früher, wie heute — darum bemüht, ihre Kleidung mit bestimmten Werten in Verbindung zu bringen. Die Hemden, T-Shirts und Hosen erfolgreicher Marken geben ihren Trägern die Chance, etwas über sich auszusagen.

Logan Paul scheint das verstanden zu haben und entscheidet sich, mit seiner Marke Menschen, wie ihn selbst, anzusprechen: YouTuber, Künstler, Kreative… Menschen, die den herkömmlichen Weg verlassen haben und für ihre Ambitionen zunächst sogar belächelt werden.

Die Aufnahmen im Video unterstützen diesen Eindruck:


Mit dem Motorrad durch schöne Landschaften, Boxen und Holzhacken (während andere im Büro sitzen), mit den Freunden draußen die Zeit genießen. Das Video vermittelt ein Gefühl von Freiheit und sagt damit unterschwellig:

„Vielleicht kannst Du meinen Lebensstil nicht 1:1 kopieren. Doch Du kannst meiner Philosophie folgen. Und Du kannst meine Klamotten tragen.“

Logan Pauls Bekanntheit unterstützt diesen Effekt. Eine Art „be like Mike“ in kleinerem Umfang. Michael Jordan, der wohl beste Basketballer aller Zeiten, verkaufte zahlreiche Softdrinks, Lebensmittel und vor allem: Schuhe. Die Air Jordan Reihe von Nike setzt heute über 3 Milliarden US-Dollar pro Jahr um (Quelle).

Der Hauptgrund: „Ich kann vielleicht nicht so spielen, wie MJ. Doch ich kann mich kleiden, wie er. Und das ist ein Anfang.“ 

Was Du von Logan Pauls Maverick Modelinie übernehmen kannst 

Logan und sein Team machen im Imagefilm zwei Dinge besonders gut: Sie ignorieren den funktionellen Aspekt der Kleidung und appellieren stattdessen an die Emotionen der Zuschauer und potentiellen Kunden.

Der Aspekt, der bei allen Kleidungsstücken und Modemarken gleich ist, wird gar nicht erst erwähnt. Stattdessen konzentriert sich Logan auf das, womit er sich von allen anderen unterscheiden kann. Gefühl, Emotion und Zugehörigkeit statt „100% Baumwolle, hält lange und geht beim Waschen nicht ein.“

Auch wer die Kunden sein sollen, wird im Video deutlich: Menschen, wie Paul selbst. Jung, digital unterwegs, etwas verrückt, ambitioniert. Menschen, die gegen den Strom schwimmen.

Zwei Merkmale, die Du problemlos in Deinem Unternehmen übernehmen kannst:


  • Wen spricht Dein Produkt an? 
  • Welches Gefühl löst Dein Produkt aus? 
  • Oder etwas weiter gedacht: Was kann man mit Deinem Produkt tun, das ein positives Gefühl auslöst? 

Du verkaufst nicht einfach nur eine Dienstleistung oder ein Produkt. Du löst ein Problem. Du bringst jemanden einem Ziel näher. Sprich diesen Aspekt in Deinem Marketing an!

In unserer Fallstudie zur Über Uns Seite der Firma Technical Advice sprechen wir über die Aspekte, die einen guten Webtext ausmachen. Und wir sprechen über die Tatsache, dass viele kleine und mittelständische Unternehmen ihre Website Besucher immer noch mit aussagelosen Imagesätzen ansprechen:

„Herzlich Willkommen auf unserer Website, schauen Sie sich doch erst einmal um.“

„Unser Unternehmen steht seit 1983 für Flexibilität und höchste Kundenzufriedenheit.“

Oder — neulich erst gesehen — „Wissensdurst ist unsere Leidenschaft. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, wir stellen uns gerne persönlich vor.“


  • Umschauen wollen sich die meisten Menschen auf einer Website erst einmal nicht — zumindest dann nicht, wenn sie nicht wissen, was sie davon haben.
  • Flexibilität und Zufriedenheit wird logischerweise erwartet
  • und auch der Wissensdurst des Geschäftsführers kommuniziert dem Kunden keinen konkreten Nutzen.

Auch wenn Logan Pauls Imagefilm nicht exakt mit dem Finger zeigt und ausdrücklich erklärt „ja genau Dich suche ich, Du bist meine Zielgruppe, 1,75 groß, braune Haare, männlich, abenteuerlustig“, so wird trotzdem klar, wer zur Zielgruppe gehört und wer nicht.

Aus genau diesem Grund mögen wir die Überschriftsformel „Wir machen X für Y, sodass Du Z erreichen kannst“. Wir beschreiben, was wir machen, für wen wir es machen und was der Kunde später davon hat. Simpel. Einfach umzusetzen und im Web trotzdem enorm zielführend. 

Logan Pauls Marketing „Gangster Move“

Auch wenn dieser letzte Punkt nichts mit dem Video selbst zu tun hat, so ist die Idee zu gut, um sie nicht anzusprechen: Die VIP Mitgliedschaft, die Maverick Clothing, zusammen mit dem Imagefilm und der neuesten Kollektion, auf der Homepage der Website anbietet.

Logan Paul Maverick Club

Für $19.99 im Monat erhält man Gratis-Versand innerhalb der Vereinigten Staaten, limitierte Kleidungsstücke, Rabatte, Bonusvideos und „eine Tonne mehr“. Paul nutzt seine Bekanntheit und bietet treuen Superfans ein Bonuspaket, das seinen monatlichen Umsatz nicht nur steigert, sondern auch sehr vorhersehbar macht.

New York University Professor für Markenstrategie, Scott Galloway, bezeichnet wiederkehrendes Einkommen gerne auch als „gangster move“. Paul zeigt, dass hinter einem solchen „gangster move“ kein komplett neues Produkt stehen muss. Ein bestehendes Produkt leicht verändert, mit einem anderen, bereits bestehenden Produkt kombiniert und das Abomodell steht.

Du betreibst einen Online Shop?

Welche Deiner Produkte sind Gebrauchsgegenstände und können im Abonnement angeboten werden? Welche Produkte lassen sich als Bundle (Paket) verkaufen?

Du betreibst eine Werkstatt? 


Kannst Du einige Deiner Dienstleistungen zusammen als Abo anbieten? Wer Kunde ist, kann bis zu 3 Mal im Monat vorbei kommen und die im Abo gebuchten Dienstleistungen in Anspruch nehmen.

Du bist Berater oder Trainer?

Kannst Du, statt einer einmaligen Beratung, ein ganzes Jahr mit X Beratungsstunden pro Monat oder Woche verkaufen? Kannst Du diese Beratungsgespräche aufzeichnen und als Bibliothek auf Deiner Website gegen eine monatliche Gebühr anbieten?

Logan Pauls Videos, Podcasts oder Boxkämpfe mögen nicht jeden interessieren. Doch vom Marketing, das diese vor Millionen von Menschen bringt und all diese Projekte überhaupt erst möglich macht, können wir uns alle eine Scheibe abschneiden.

Wenn Du dabei Hilfe oder technische Unterstützung benötigst, dann setz’ Dich mit uns via info@maddesign.media in Verbindung.

Eine Übersicht über all unsere Leistungen und Angebote findest Du auf unserer Homepage oder hinter diesem Link. Gerne stellen wir Dich und Dein Unternehmen so auf, dass Du zukünftig auch im Netz als angesehenes Unternehmen wahrgenommen wirst und — fast noch wichtiger — dass Du über das Netz verkaufen kannst.


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